Nerv nicht mit Sprachnachrichten

Wer will das denn hören?

Früher hat man sich immer ungefragt angerufen. Da klingelte das Telefon, ohne dass der Anrufer vorher via Textnachricht gefragt hatte, ob man gerade Zeit zum Telefonieren hätte. Damals, als noch nicht jeder Instant Messaging oder zumindest SMS zur Verfügung hatte! Das war lästig, aber es ging halt nicht anders.

Nicht ungefragt Voice Messaging nutzen!

Nicht ganz so schlimm wie unangekündigte Anrufe, aber doch sehr lästig sind Sprachnachrichten, die heute bei fast allen weit verbreiteten Instant-Messengern möglich sind. Anstatt sich der Absender sorgfältig überlegt, was er uns mitteilen möchte, brabbelt er einfach drauflos. Meist wenig strukturiert, eher planlos und leider zu oft uferlos.

Mehr als zwei kurze Sätze fehlerfrei in die kleine virtuelle Smartphone-Tastatur einzugeben, macht Arbeit. Aber wer drauflos plappert, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, hört erfahrungsgemäß so schnell nicht wieder auf. Anstatt innerhalb von 5 Sekunden eine Nachricht zu lesen, muss man ein bis zwei Minuten zuhören.

Du merkst schon, ich will Dir ausreden, ungefragt Sprachnachrichten zu verschicken. Ja, ich kann mir Situationen vorstellen, in denen eine Sprachnachricht objektiv eine gute Wahl darstellt. Aber das sind Ausnahmesituationen. Im Alltag wirst Du bei den Empfängern Deiner gesprochenen Nachrichten selten auf Begeisterung stoßen.

Der Empfang einer Sprachnachricht zwingt uns dazu, Zeit zu investieren. Geht es um etwas Wichtiges, müssen wir uns vielleicht sogar Notizen machen, um beim Formulieren unserer Antwort nichts zu übersehen – auf welchem Wege wir unsere Antwort auch verschicken mögen. Du hast Dir Sprachnachrichten bestimmt auch schon mehrmals anhören müssen, um sie komplett beantworten zu können. Unproduktiver lässt sich unsere kostbare Zeit kaum nutzen!

Ein weiteres Problem liegt darin, dass man als Empfänger nicht in jeder Situation seine Nachrichten laut anhören kann. Schließlich hat man nicht immer Kopfhörer auf.

Das führt dazu, dass Sprachnachrichten gar nicht so selten viel später abgehört werden. Mitunter werden sie dann erstmal vergessen und sehr viel später gehört. Davon hat niemand etwas. Das schadet der Kommunikation und kann zu Stress und Frustration beitragen.

Benutze Sprachnachrichten daher nur ganz gezielt, wenn es sinnvoll ist oder Du sicher bist, dass der Empfänger damit einverstanden ist. Und nicht verwechseln: Bloß weil sich jemand bei Dir noch nicht beschwert hat, bedeutet das nicht, dass er Deine Sprachnachrichten bisher bekommen wollte.

Über Oliver Springer 469 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand, Selbstmanagement und Musik … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Urban Music Website rap2soul.de.

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