User verbringen mehr Online-Zeit mit dem Smartphone

Vor ein paar Tagen hat sich Google mit Einführung der Google AMP, einer Art Zwischenspeicher für vereinfachte, aber sehr schnell ladende Webseiten für mobile Endgeräte, wieder ein großes Stück stärker auf Smartphone-User ausgerichtet. Von „Mobile first!“-Strategien hört man schon seit Jahren, aber ich bin skeptisch.

Zunächst einmal ist es richtig, die eigenen Onlineangebote so zu gestalten, dass sie auch auf mobilen Endgeräten mit dürftiger Internetanbindung möglichst komfortabel nutzbar sind. Viel zu oft geht das allerdings auf Kosten der Nutzer mit anderen Endgeräten und das ist ein grober Fehler. Der Bitkom hat neulich Zahlen zur Internetnutzung mit verschiedenen Endgeräten vorgelegt und stellt die Nutzung per Smartphone groß heraus. Okay, kann man machen. Schließlich gewinnt die Nutzung auf Smartphones an Bedeutung.

Aber: Wenn 43 Prozent der Befragten am liebsten ein Notebook und weitere 16 Prozent einen Desktop für die Internetnutzung verwenden, aber lediglich 20 Prozent ein Smartphone – warum sollten dann die Smartphone-User an erster Stelle stehen, wenn es um die Gestaltung von Websites geht? Und diese Werte betreffen die Nutzung in der Freizeit (danach wurde gefragt), ein nicht unerheblicher Teil der Onlinezeit entfällt auf die Arbeitszeit. Und man kann davon ausgehen, dass Leute, die am Schreibtisch vor einem großen Display sitzen, im Zweifel nicht das kleine Display bevorzugen. Warum sind so viele Instant Messaging-Dienste also nur mit Smartphones nutzbar bzw. bieten nur Notlösungen für die Verwendung am Computer?

In der Pressemitteilung des Bitkom lesen wir über die Ergebnisse der Umfrage:

>>Surfen wird immer mobiler. Das Smartphone ist bereits heute für viele Deutsche im privaten Leben das Hauptzugangsgerät zum Internet – und damit beliebter als der stationäre Computer. Das zeigt eine repräsentative Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Wenn man die Internetnutzer fragt, mit welchem Gerät sie privat – also außerhalb der Arbeitszeit – hauptsächlich ins Internet gehen, nennen nur noch 16 Prozent den Desktop-PC. Spitzenreiter ist der Laptop mit durchschnittlich 43 Prozent. Schon auf dem zweiten Platz folgt das Smartphone mit 20 Prozent. 18 Prozent erklären, dass sie privat vor allem das Tablet zum Surfen nutzen. „Mit dem Smartphone hat man das Internet praktisch immer in der Hosentasche, Laptop und Tablet bieten ebenfalls große Flexibilität beim Surfen“, sagt Johannes Weicksel, Bereichsleiter Telekommunikation beim Bitkom. „Befördert wird der Trend zur mobilen Internetnutzung zudem von der Professionalisierung bei mobilen Websites. Responsive Design ist inzwischen fast selbstverständlich und sorgt dafür, dass sich die Inhalte automatisch an die Bildschirmgröße anpassen. So sind zum Beispiel Reisebuchungen oder Online-Einkäufe, die früher auf dem kleinen Display teilweise sehr umständlich waren, heute in manchen Fällen sogar einfacher auf dem Smartphone abzuwickeln als auf dem PC. Das riesige Angebot an mobilen Anwendungen – von der News- bis zur Fitness-App – trägt ebenfalls zum Boom mobiler Internetnutzung bei.“ Eine stetig steigende Qualität der Netze sowie die Verbreitung von Flatrate-Tarifen sorgen darüber hinaus dafür, dass die mobile Internetnutzung immer beliebter wird.

Dabei ist das Smartphone für die private Internetnutzung bei den 14- bis 64 Jährigen durchweg ähnlich beliebt. Die Befragten ab 65 Jahren nutzen dagegen vor allem den Desktop-PC (46 Prozent), lediglich 5 Prozent von ihnen surfen privat hauptsächlich mit dem Smartphone.

Weitere Ergebnisse aus der Verbraucherbefragung zur Smartphone-Nutzung sowie aktuelle Konjunkturzahlen zum Smartphone-Markt präsentiert der Bitkom bei einer telefonischen Pressekonferenz, am kommenden Dienstag, den 16. Februar, 11.30 Uhr.

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Befragung, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1008 Personen ab 14 Jahren befragt, darunter 806 Internetnutzer. Die Frage lautete: „Nun geht es um Ihre private Internetnutzung, das heißt das Surfen außerhalb der Arbeitszeit. Mit welchem der folgenden Geräte nutzen Sie das Internet privat hauptsächlich?“<<

Über Oliver Springer 350 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand, Selbstmanagement und Musik … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Urban Music Website rap2soul.de.

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