Verbraucherzentrale NRW kritisiert Onlinevideotheken wegen plötzlich fehlender Inhalte

Ich habe Abos von fünf verschiedenen Onlinevideotheken und nutze intensiv die Merklisten. Ich kann Euch empfehlen, es wie ich zu machen und einmal pro Woche alle Euch interessierenden neuen Inhalte auf die jeweiligen Merklisten zu setzen. Außerdem kontrolliere ich einmal pro Woche, ob einzelne Inhalte oder Staffeln von Serien einen Vermerk wie „letzte Chance“ tragen, um nicht von einem Verschwinden der gemerkten Inhalte überrascht zu werden.

Manche Onlinevideotheken machen es einem leichter als andere, den Überblick zu behalten. Da die Ankündigungen über das Auslaufen der Lizenzen – darum geht es ja, es ist schließlich keine böse Absicht der Streaming-Anbieter – generell nur wenige Tage oder Wochen im Voraus erfolgen, hat man es als Kunde unnötig schwer, seinen Videokonsum zu planen. Mehr Transparenz wäre gut!

Daher begrüße ich es, dass die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Kritik an den Anbietern übt, selbst wenn diese für meinen Geschmack zu pauschal ausfällt und die Verbraucherschützer das eine oder andere Detail anscheinend übersehen haben.

Ich nehme an, dass die meisten User nicht regelmäßig prüfen, ob ihr jeweiliger Streamingdienst das Ende der Verfügbarkeit von Inhalten ankündigt. Wer diesbezüglich keine Überraschungen erleben möchte, sollte generell nicht lange mit dem Anschauen neu ins Angebot aufgenommener Titel warten.

Die Verbraucherzentrale NRW schreibt in einer Pressemitteilung:

>>Vier bis neun Euro im Monat zahlen und dafür jederzeit tausende Filme und TV-Serien gucken. Mit diesem Versprechen ködern Online-Streaming-Dienste wie Amazon und Maxdome. Doch permanente Programmänderungen lassen Watchlists schnell zusammenschrumpfen. Wer Serien und Filme zu Ende gucken will, muss oftmals kräftig nachzahlen.

Millionen konsumieren hierzulande Filme und Serien online – per Smart-TV und PC, Handy oder Tablet. Sie streamen und schauen Filme und Serien wann und oft auch wo sie wollen. Möglich machen das Newcomer Netflix und Maxdome. „Unbegrenzte Unterhaltung“ versprechen ebenso Amazons „Prime Instant Video“, Watchever und Sky Snap – und das zu Preisen zwischen monatlich vier und neun Euro.

Doch die unbegrenzte Freiheit stößt schnell an ihre Grenzen. Aussetzer und Programmänderungen bedrohen das Flatrate-Vergnügen der Kundschaft. Zahlreiche Filme und Serien verschwinden quasi über Nacht aus den Abo-Paketen. Schwindsucht erfasst Merkzettel und Watchlists.

Beispiel Amazon. „War mit meiner Freundin bei der fünften Staffel von Dr. Who“ angelangt. „Wollten heute weiter gucken, auf einmal war nichts mehr“, lautet etwa eine typische Klage.

Das Lachen verging ebenso anderen Prime-Kunden mitten in der Pannen-Serie „Ridiculousness“: Die nächste Folge sollte urplötzlich als einzige der Staffel kostenpflichtig sein.

Solche Horror-Erlebnisse passieren allabendlich. Auf vielen Merklisten ist bereits die Hälfte der Film-Wünsche nicht mehr per Abo erfüllbar. Doch Buhmann wollen Streaming-Dienste nicht sein. Sie schieben den Schwarzen Peter den Lizenzgebern zu. Die nämlich „stellen Inhalte noch nicht unbefristet zur Verfügung“, bedauert Maxdome. Das Auswertungsfenster bei Watchever öffne sich bei vielen Werken für gerade mal drei Monate.

Die Folge aus Zuschauersicht: ein scheinbar willkürlicher Film- und Serien-Exodus oft Hunderter Produktionen aus den Abo-Paketen.

Während bei Watchever und Sky Snap die Bildschirme danach einfach schwarz bleiben, kann das bei Maxdome und Amazon teuer kommen. Denn beide bieten nicht nur eine Flatrate, sondern kassieren darüber hinaus auch für die Ausleihe oder den Kauf einzelner Produktionen.

So konnten Kunden bei Maxdome die Traumreisen in „Total Recall“ ohne weitere Kosten übers Abo-Paket antreten. Alternativ gab´s den Blockbuster via Einzel-Ausleihe für 2,99 Euro oder zum Kaufpreis von 14,99 Euro. Bei Amazon wiederum praktizierten Die jungen Ärzte von „Grey’s Anatomy“ in der achten Staffel entweder per Prime-Instant-Abo oder zum HD-Kaufpreis von 24,99 Euro. Solche Beträge können auf Abo-Kunden zukommen, die eine ausgelistete Staffel partout zu Ende schauen wollen.

Die Wahrscheinlichkeit variiert, dass Titel auf der Watchlist im kostenpflichtigen Bereich landen. Während Maxdome nach eigenen Angaben 50.000 seiner insgesamt 60.000 Filme und Serien in eine Flatrate gepackt hat, sind‘s bei Amazon nur 13.000 von 35.000.

Besonders ärgerlich: Kunden erfahren über das nahe Aus meist wenig oder nur auf verschlungenen Klickwegen. Lediglich auf der Homepage von Watchever und Sky Snap entdeckte die Verbraucherzentrale NRW einen Button „Letzte Chance“.

Bei Amazon fand sich der Hinweis – warum auch immer – als einer von einem Dutzend Unterpunkten in der Rubrik „Empfehlungen der Redaktion“. Vergebens auf der Homepage suchten die Verbraucherschützer bei Maxdome. Bei Neuling Netflix ist das Problem laut eigener Auskunft noch nicht akut.

Doch auch wer auf das nahe Ende einer Lizenz stößt, sieht nicht wirklich klarer. Die Anbieter verraten auf ihren Seiten mit keiner Silbe, wie lange die „Letzte Chance“ währt. Nervenkitzel ist für Nutzer also garantiert, die eine Serie aus dieser Rubrik beginnen.

Wer sich diese Spannung bewahren will, sollte deshalb jetzt – „Achtung Spoiler-Alarm!“ – die Ergebnisse einer Umfrage der Verbraucherzentrale NRW überspringen. Bei Amazon endet die letzte Chance „am Anfang des nachfolgenden Monats“. Maxdome will „zwei Wochen“, Watchever „30 Tage vor Ablauf der Lizenzvereinbarung“ informieren. Ebenso nebulös – „wenige Wochen davor“ – formuliert Sky Snap. Netflix sei erst dabei, entsprechende Warnungen vorzubereiten.

Einen taggenauen Hinweis, wann Streamingfristen enden, verweigern alle fünf Portale. Die Begründungen könnten aus den Sparten „Comedy“ und „Crime“ stammen. Für Netflix beispielsweise wären das „grundsätzlich zu viele Detailinfos“. Watchever wiederum fürchtet sich vor Konkurrenten, die so frühzeitig von auslaufenden Verträgen erführen und Filme und Serien „weg-lizensieren“ könnten.<<

Über Oliver Springer 349 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand, Selbstmanagement und Musik … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Urban Music Website rap2soul.de.

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