Testbericht zu Netflix

Lange Schatten vorausgeworfen hatte der Deutschland-Start des VoD-Anbieters Netflix. Die bisher in Deutschland aktiven Onlinevideotheken und beispielsweise der Pay-TV-Anbieter Sky reagierten lange vorher auf den neuen Konkurrenten. Mitte September 2014 war es in Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern so weit, Netflix war endlich offiziell verfügbar.

Wir haben Netflix auf eine Reihe verschiedener Endgeräte getestet. Das ist übrigens eine der größten Stärken der in Deutschland neuen Onlinevideothek: Sie unterstützt sehr viele verschiedene Geräte.

Netflix Logo | Bild: Netflix
Netflix Logo | Bild: Netflix

Zu sehen gibt es in erster Linie Filme, Serien und Dokumentationen. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1997 von Reed Hastings, es hat seinen Sitz in der kalifornischen Stadt Los Gatos. Der Jahresumsatz beläuft sich auf 4,37 Milliarden US-Dollar und es sind über 2200 Mitarbeiter bei Netflix beschäftigt. Das nur als Hinweis darauf, dass der Weltmarktführer ein echtes Schwergewicht ist, das niemand unterschätzen sollte.

Screenshot: netflix - Startseite | Bild: Redaktion
Screenshot: netflix – Startseite | Bild: Redaktion

Angebot wächst noch

Das zum Start verfügbare Angebot mag recht dünn wirken, aber Netflix verfügt über Ressourcen, Know-how und Kontakte, um ganz groß in den deutschen Video-on-Demand-Markt einzusteigen. Man lässt es halt langsam angehen und sammelt erst einmal Erfahrungen. Das verschafft den anderen Diensten immerhin eine Verschnaufpause.

 

Screenshot: netflix - Willkommen | Bild: Redaktion
Screenshot: netflix – Willkommen | Bild: Redaktion

Was es bei Netflix zu sehen gibt, zeigt einem der Anbieter erst, wenn man sich für ein Testabo anmeldet. Das ist schlecht, man möchte doch wissen, worauf man sich einlässt. Die Kündigung mag kurzfristig möglich und unproblematisch sein, aber bevor man sich dazu entschließt, ein grundsätzlich kostenpflichtiges Abo abzuschließen, will man doch wissen, was es zu sehen gibt!

Wie kann bezahlt werden?

Gewählt werden kann zwischen drei Tarifen, deren jeweilige monatliche Grundgebühr per PayPal, Kreditkarte oder Lastschrift bezahlt werden kann. Jeder Tarif gewährt einen Zugriff auf das gesamte Videoarchiv. Die Tarife unterscheiden sich bezüglich der Bildqualität und der gleichzeitig verfügbaren Streams. Eine Besonderheit der Onlinevideothek ist der kostenlose Service-Chat, der bei Problemen hilft und nur wenige Minuten Wartezeit erfordert. Wir wurden jedenfalls beim Ausprobieren zügig bedient. Super: Man kann sich den Chatverlauf anschließend per E-Mail schicken lassen.

Screenshot: netflix - Zahlungsoptionen | Bild: Redaktion
Screenshot: netflix – Zahlungsoptionen | Bild: Redaktion

Netflix unterstützt die Betriebssysteme Windows, iOS (Apple), Android und inzwischen sogar Linux. Wir haben Netflix unter anderem auf einem Lenovo Thinkpad T60 Notebook (altes Notebook) und einem Acer Cloud mobile S500 (einfaches Smartphone) getestet. Sehr schön: Man muss nicht die neueste Technik besitzen, um die Onlinevideothek nutzen zu können.

Tarife und Preise (90 von 100 Punkten)

Es gibt keine kostenlosen Inhalte bei Netflix. Aber einen kostenlos Testmonat. Als Zahlungsmöglichkeiten stehen die Kreditkarte, Paypal und der Lastschrifteinzug zur Auswahl. Gekündigt werden kann monatlich.

Das günstigste Abo bei Netflix kostet 7,99 Euro. Damit erhält man allerdings nur Standardauflösung, keine HD-Auflösung. Insofern ist der kleinste Tarif nur für diejenigen User zu empfehlen, deren Internetanschluss für HD-Streaming nicht schnell genug ist.

Screenshot: netflix - Abo-Anmeldung | Bild: Redaktion
Screenshot: netflix – Abo-Anmeldung | Bild: Redaktion

Der mittlere Tarif kostet 8,99 Euro und bietet neben HD-Auflösung die Möglichkeit, von zwei Geräten gleichzeitig auf das Videoangebot zuzugreifen.

Für den Preis von 11,99 Euro pro Monat wird sogar 4K-Auflösung geboten, aber noch ist die Auswahl an 4K-Inhalten ja gering. Trotzdem finden wir es gut, dass Netflix jetzt schon 4K-Videostreams anbietet. Weiterer Vorteil des großen Tarifs: Gleichzeitige Nutzung mit bis zu vier Geräten. Übrigens: Es gibt kein Limit, was die Zahl grundsätzlich nutzbarer Geräte angeht. Man muss also nicht erst umständlich andere Geräte abmelden, bevor man sich woanders einloggen kann. Das ist ein großer Vorteil für Leute, die viele verschiedene Geräte zu Hause haben.

Bei allen drei Tarifen besteht keine Mindestvertragslaufzeit. Sie können jederzeit gekündigt werden. Der Unterschied zwischen den Tarifen liegt in der gebotenen Bildqualität und den gleichzeitig verfügbaren Videostreams.

Anmeldung (85 von 100 Punkten)

Die Anmeldung bei Netflix ist schnell erledigt, denn man muss nicht viele Angaben machen. Später ist der Anbieter aber umso neugieriger, denn eine Stärke von Netflix liegt in persönlichen Empfehlungen. Wie weit man später etwas über seine Vorlieben verrät, bleibt allerdings jedem selbst überlassen.

Screenshot: netflix - Anmeldung | Bild: Redaktion
Screenshot: netflix – Anmeldung | Bild: Redaktion

Damit das Empfehlungssystem funktioniert, sollten alle Nutzer eines Accounts (also in der Regel alle Bewohner eines Haushalts) ein eigenes Profil anlegen und Inhalte selbst bewerten. Bis zu vier Profile lassen sich anlegen. Zusätzlich existiert ein „KiDs“ genannter Bereich, der direkt anwählbar ist. So wird gleich eine Auswahl für Kinder gezeigt.

Als zusätzliche Auswahlhilfe lassen sich auf Wunsch die Bewertungen von Freunden bei Facebook nutzen. Doch hier gilt es zu überlegen, ob man Netflix tatsächlich Zugriff auf Facebook-Daten gewährt oder nicht. Die Personalisierung auf Basis von Bewertungen und die Facebook-Anbindung erinnern an den Konkurrenten WATCHEVER, wo ähnlich verfahren wird.

Bedienung und Nutzerfreundlichkeit (85 von 100 Punkten)

Die Bedienung der Benutzeroberfläche erfordert keine lange Einarbeitungszeit. Nach dem Login wird gefragt, mit welchen Profil man Netflix nutzen möchte. Im Anschluss steht einem die Benutzeroberfläche zur Verfügung. Der Kopfbereich wurde in die Bereiche Durchsuchen, Vorlieben-Profile, KIDs und Profil aufgeteilt. Außerdem ist ein Glockensymbol zu sehen. Klickt man auf dieses Symbol, wird man gefragt, ob man seinen Netflix-Account mit Facebook verbinden möchte, um private Empfehlungen von seinen Freunden zu erhalten.

Screenshot: netflix - Infobox| Bild: Redaktion
Screenshot: netflix – Infobox | Bild: Redaktion

Direkt unterhalb des Headers werden aktuelle Highlights beworben. Weitere Bereiche sind „Kürzlich angesehen“, „Meine Liste“, „Beliebt auf Netflix“, „Action und Abenteuer“, „Dokumentationen“, „Top-Auswahl“, „Komödien“, „Familienabenteuer“, „Dramen“, „Thriller“, „Serien“, „Romantische Filme“, „Internationale Filme“, „Für Kinder“, „Preisgekrönte Filme“, „Deutsche Filme“, „Scifi und Fantasy“, „US-Serien“… Hier wird sich im Laufe der Zeit bestimmt noch was tun. Ihr merkt aber: Bei Netflix zählen Details. Die verschiedenen Genres sind mitunter noch in mehrere Untergruppen aufgeteilt, die man aber nicht auf der Startseite sieht. „Romantische Filme“ unterteilt sich – um ein Beispiel anzuführen – in „Romantische Komödien“ und „Romantische Dramen“. Der Footerbereich beinhaltet nur Informationen zum Unternehmen, der Mitgliedschaft und Impressum und ähnliche Infos.

Screenshot: netflix - Personalisierung | Bild: Redaktion
Screenshot: netflix – Personalisierung | Bild: Redaktion

Das Design ist auffallend funktional, doch dank großer Bilder wirkt es nicht zu schlicht. Die Inhalte der einzelnen Genres werden mit jeweils einem Bild präsentiert und wird mit dem Mauszeiger über dieses Coverbild gefahren, erscheint eine Infobox. Die Infobox umfasst Kurzinformationen zum jeweiligen Film und die Bewertung. Und die Möglichkeit, gleich selbst zu bewerten.

Im jeweiligen Genre bewegt man sich auf der Startseite durch horizontales Scrollen durch die Auswahl. Naja, das hat uns beim Testen nicht begeistert, aber das System hat den Vorteil, sehr viele verschiedene Inhalte auf die Startseite bringen zu können.

Screenshot: netflix - Personalisierung 2| Bild: Redaktion
Screenshot: netflix – Personalisierung 2| Bild: Redaktion

Unter Linux lassen sich die Videos derzeit nur mit dem Browser Google Chrome anschauen, aber das ist schon mal ein Anfang, auf den wir bei anderen Onlinevideotheken bisher vergeblich warten mussten. Die Videos können in einem Videofenster oder im Vollbildmodus angeschaut werden. Nach dem Klick auf einen Filmtitel wird das Video in Sekundenschnelle abgespielt. Generell starten Videos in niedriger Auflösung und etwas später wird es dann besser. So werden Wartezeiten vermieden, so machen es andere Onlinevideotheken auch. Das macht es aber nicht besser. Wir möchten von Anfang an gute Bildqualität. Die Tonspur und die Untertitel lassen sich zu jedem Zeitpunkt ändern, das wurde gut gelöst.

Inhalte (75 von 100 Punkten)

Das Videoangebot bei Netflix hat viele, die es zum Start in Deutschland getestet hatten, enttäuscht. Im Vergleich mit den anderen großen Anbietern gab es nicht genug zu sehen, doch das war Absicht. Netflix probiert erst mal aus, was in Deutschland gut ankommt und wird dann gezielt Lizenzen erwerben. Obwohl die Auswahl in manchen Genres dürftig ist, kann das Angebot insgesamt durchaus überzeugen. Es kommt ja auch auf die Qualität der Inhalte an! Insgesamt ist das Angebot dann doch recht ordentlich, aber man sollte nicht zu viel erwarten.

Screenshot: netflix - Suche | Bild: Redaktion
Screenshot: netflix – Suche | Bild: Redaktion

Basierend auf den eigenen Bewertungen werden recht gut passende Filme bzw. Serien angezeigt, die mit einem Mausklick angeschaut werden können. Die Suchfunktion wird mit der Lupe aufgerufen und ist vor allem hilfreich, wenn man einen bestimmten Kinofilm oder eine bestimmte Serie sucht. Das funktioniert gut. Kurz getestet haben wir auch Apps von Netflix für Android und Samsung Smart TVs sowie den Entertain-Receiver für das IPTV der Deutschen Telekom. Die Bedienung folgt überall den gleichen Grundsätzen. Wie flüssig man navigieren kann, ist von Gerät zu Gerät allerdings auffallend verschieden.

Endgeräte und technische Anforderungen (90 von 100 Punkten)

Der Onlinevideodienst unterstützt die Betriebssysteme Microsoft Windows, Apple MacOS, Apple iOS, Linux, Google Chrome OS und Android OS. Außerdem werden Geräte unterstützt, bei denen wir nicht sicher sind, welche Softwarebasis dort zum Einsatz kommt. Wir sind jedenfalls begeistert, dass eine sehr große Zahl verschiedener Geräte unterstützt wird.

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Jugendschutz (95 von 100 Punkten)

Beim Jugendschutz macht es Netflix seinen Kunden leicht. Bei der Anmeldung muss man eine PIN festlegen, damit Kinder und Jugendliche nicht unbefugt für sie nicht geeignete Videos anschauen können. Die entsprechend eingestuften Inhalte sind jeweils erst nach Eingabe der PIN abrufbar.

Screenshot: netflix - Kindersicherung mit PIN | Bild: Redaktion
Screenshot: netflix – Kindersicherung mit PIN | Bild: Redaktion

Plus und Minus (85 von 100 Punkten)

+ Übersichtliche Benutzeroberfläche

+ Schnelle Anmeldung
+ Videos starten sehr schnell
+ Leicht verständliche Benutzeroberfläche
+ Unterstützung für viele Geräte bzw. Betriebssysteme, darunter Linux, Microsoft Windows, Apple iOS, Apple MacOS X, Android OS, Google Chrome OS, Windows Phone
+ Nutzerfreundlicher Jugendschutz
+ Monatlich kündbar
+ Kostenloser Testmonat für Neukunden
+ Änderung der Tonspur und Zuschaltung von Untertiteln
+ Brauchbares Empfehlungssystem

– Im Vergleich zur Konkurrenz kleines Angebot an Filmen, Serien und Dokumentationen
– Einige klassische Serienhits wie „Akte X“ und  „Star Trek“ haben wir vermisst

Screenshot: netflix - Filmfrage | Bild: Redaktion
Screenshot: netflix – Filmfrage | Bild: Redaktion

Gesamtergebnis beim Test von Netflix

Netflix macht einen gut durchdachten Eindruck und lässt sich vorbildlich einfach bedienen. Es kann auf sehr vielen verschiedenen Geräten verwendet werden. Begrenzt ist nur die Zahl der gleichzeitigen Streams, ein Geräte-Limit existiert nicht. Die Bildqualität ist recht gut.

Gefallen haben uns die große Videoauswahl, die kurzen Ladezeiten und die Unterstützung so vieler Betriebssysteme bzw. Endgeräte. Sogar Linux wird (mit Einschränkungen) unterstützt. Beim Jugendschutz ist kaum Aufwand erforderlich, manche Onlinevideotheken machen es ihren erwachsenen Kunden ganz schön schwer.

Die Auswahl an Inhalten ist zwar noch nicht so groß, wächst aber. Und wir haben keinen Zweifel daran, dass es Netflix ernst meint und sich das Angebot in den kommenden Monaten (wenn der Anbieter die Vorlieben seiner User kennt) kräftig ausbauen wird.

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