Experten sehen das Fernsehen durch Online-Angebote nicht bedroht

Von Jahr zu Jahr gibt es mehr Alternativen zu den Angeboten der linearen Fernsehsender. Insbesondere Videostreaming erfreut sich einer schnell wachsenden Beliebtheit. Wird da das herkömmliche TV-Programm zukünftig überhaupt noch gebraucht? Abwegig ist diese Frage nicht, das Internet hat schon einige Branchen grundlegend verändert. 

Die Experten des Beratungsunternehmens Roland Berger geben dennoch Entwarnung. Es gebe zwar einen starken Wandel in der Fernseh- und Videobranche, aber die noch recht jungen Online-Angebote seien mehr eine Ergänzung zum bestehenden TV-Angebot, eine Verdrängung sei nicht zu erwarten. Allerdings sollten sich die Unternehmen auf den Wandel einstellen und ihren Zielgruppen passende Angebote machen. Von der steigenden Zahlungsbereitschaft der deutschen Verbraucher profitieren nicht nur Pay-TV und HD-Sender, sondern auch Video-on-Demand-Anbieter.

In einer Pressemitteilung der Roland Berger Strategy Consultants Holding GmbH ist zu lesen:

>>Die TV- und Videobranche erlebt derzeit einen starken Wandel: Zuschauer haben immer öfter die Möglichkeit selbst zu entscheiden, über welche Endgeräte sie welche Inhalte zu welcher Zeit anschauen möchten. „Durch die voranschreitende Entwicklung des internetbasierten Fernsehens stehen neben dem klassischen Programmfernsehen immer mehr TV-Angebote und Multimediadienste zur Verfügung“, sagt Philipp Leutiger, Partner von Roland Berger Strategy Consultants.

Die Experten von Roland Berger gehen jedoch nicht davon aus, dass das klassische Fernsehen bald der Vergangenheit angehören wird – vielmehr werden sich Angebote künftig stärker ergänzen. Derzeit ist der Marktanteil des internetbasierten Fernsehens in Deutschland zwar noch vergleichsweise gering, birgt aber ein hohes Entwicklungspotenzial. „Der Mangel an Breitbandanschlüssen im ländlichen Raum sowie hohe technische Anforderungen an die Anbieter während der Hauptsendezeit haben die Nutzung von Internet-Angeboten bisher auf Nischenniveau beschränkt,“ erklärt Berger-Experte Leutiger. „Die etablierten Senderfamilien und Pay-TV-Anbieter setzen gleichzeitig auf große Show-Formate und Live-Sportevents. Mit diesen attraktiven Inhalten können die Sender ihre Stärke zeigen.“

Infrastruktur: Breitbandanschlüsse noch nicht flächendeckend verfügbar

Trotz verstärkter Bemühungen des Staates sowie einiger Netzanbieter, bundesweit Breitbandanschlüsse zu ermöglichen, wurde dieses Ziel bisher nicht flächendeckend erreicht. Vor allem in ländlichen Gebieten mangelt es nach wie vor an verfügbaren Breitbandanschlüssen bzw. Glasfaserleitungen. Vor diesem Hintergrund können internetbasierte Video-Angebote in hoher Bildqualität bislang fast ausschließlich in Städten genutzt werden. Das schränkt den Handlungsspielraum von Anbietern solcher Formate stark ein und wird für sie zum Wettbewerbsnachteil, wenn sie etwa beliebte Serien-Formate einkaufen wollen. „Natürlich führt der immer schärfere Wettbewerb um solche Inhalte dazu, dass immer höhere Preise für Exklusivrechte gezahlt werden müssen. Das bedeutet: Auch künftig werden die etablierten Spieler in der Lage sein, sich die wichtigsten Inhalte zu sichern“, sagt Roland Berger-Partner Leutiger.

Trotzdem erwarten die Roland Berger-Experten ein deutliches Wachstum des nicht-linearen Fernsehens: Bis 2020 wird der Marktanteil der „On Demand“-Angebote von heute 26 Prozent auf mehr als 40 Prozent wachsen. Ausschlaggebend sind dabei nicht nur neue Online-Videotheken, sondern auch die Mediatheken der etablierten TV-Sender. „Senderfamilien und traditionelle Pay-TV-Plattformen können ihr Geschäftsmodell entsprechend weiterentwickeln und die neuen Möglichkeiten des Marktes für sich nutzen. Doch in diesem Feld können auch neue Anbieter schnell wachsen“, sagt Philipp Leutiger.

Markt für Pay-TV und HD-Fernsehen auf dem Vormarsch

Trotz der anfänglichen Skepsis sind immer mehr Deutsche dazu bereit, neben Rundfunkgebühr und Kabelentgelten weitere TV-Abo-Dienste zu buchen: Wurden 2009 noch 5 Millionen Verträge in diesem Bereich gezählt, sind es mittlerweile 11 Millionen. Dies entspricht einer jährlichen Steigerung von 22 Prozent. Der Wunsch vieler Nutzer nach hochqualitativen Übertragungstechniken wie HD und zusätzlichen, individuellen Programminhalten hat dem Markt eine hohe Dynamik beschert. Dies gilt auch für die Entwicklung und den Einsatz neuer Technologien: Die Verbreitung von HD-fähigen Fernsehgeräten ist in Deutschland von 17 Prozent im Jahr 2007 auf aktuell 75 Prozent gestiegen.

„Die steigende Nachfrage nach individuellen Video-Angeboten zeigt, dass die Marktteilnehmer durch neue, segmentspezifische Lösungen viel stärker auf die persönlichen Bedürfnisse der Zuschauer zugehen sollten“, erklärt Berger-Partner Leutiger. „Flexiblere Probeabos, aber auch Premium- und Nischen-TV-Pakete spielen hier eine wesentliche Rolle, um den Markt für sich zu erschließen.“

Demografischer Wandel – der Videokonsum ändert sich

Gerade in diesem Bereich sehen die Roland Berger-Experten Nachholbedarf. Denn bislang wurden die Programminhalte der Fernsehsender und die Pay-TV-Angebote zumeist auf die Bedürfnisse von Familien ausgerichtet. Doch die Zusammensetzung der deutschen Haushalte zeigt, dass weiteres Geschäftspotenzial vor allem außerhalb des bisherigen Familien-Kernsegments liegen wird. „Trotz einer sinkenden Bevölkerungszahl steigt die Anzahl privater Haushalte bis 2020 um rund 500.000 auf mehr als 41 Millionen. Dabei wird es immer mehr kleinere Haushalte geben, die vor allem aus alleinstehenden Menschen bestehen oder aus Paaren, deren Kinder bereits ausgezogen sind. Dank neuer Technologien können Anbieter diese Kundensegmente mit passenden Produkten ansprechen“, fasst Philipp Leutiger zusammen.<<

Über Oliver Springer 350 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand, Selbstmanagement und Musik … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Urban Music Website rap2soul.de.

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