Das 80/20-Prinzip (Rezension)

Das „80/20-Prinzip – Mehr Erfolg mit weniger Aufwand“ von Richard Koch beschreibt ausführlich ein Phänomen, welches bereits vor mehr als 100 Jahren vom italienischen Ökonomen und Soziologen Vilfredo Pareto (1848-1923) entdeckt wurde. Das Pareto-Prinzip ist auf unzählige Lebenssachverhalte anwendbar, weshalb es viele Möglichkeiten gibt, es zu beschreiben. Dem widmet sich der Autor des nun in der dritten Ausgabe vorliegenden Buches ein wenig zu ausführlich. Andererseits gibt es für den Leser nach 334 Seiten wohl keine Chance mehr, sich der Erkenntnis zu verweigern, dass 80 Prozent des Erfolgs auf 20 Prozent der Ursachen zurückgehen.

Die Prozentwerte schwanken, doch das Verhältnis von Ursache und Wirkung entspricht nur selten einer Verteilung von 50 % zu 50 %. Jeder hat schon beobachtet, in welchem Missverhältnis Anstrengungen zu Ergebnissen stehen können, wie kleine Ursachen eine enorme Wirkung haben und dass ein kleiner Teil des Gesamtaufwands den meisten Teil des Ertrags bringen kann.

Geradezu erschöpfend liefert Richard Koch in „Das 80/20-Prinzip – Mehr Erfolg mit weniger Aufwand“ Beispiele für die Pareto-Verteilung und durchleuchtet das ganze Phänomen mit hohem Anspruch. Er sieht es als Lebensprinzip, nicht als Geschäftsprinzip. Nicht nur im Berufsleben, ebenso im Privatleben hält der Autor das 80/20-Prinzip für anwendbar. Das brachte ihm einige Kritik ein, doch seine Argumente überzeugen. Deshalb lohnt sich die Lektüre für jeden Erwachsenen, selbst wenn er mit Marketing, Management oder überhaupt mit geschäftlichen Prozessen nichts zu tun hat.

Die meiste Zeit über tragen die Menschen nur einen kleinen Teil ihrer Kleidung. Eine Minderheit von Autofahrern verursacht die meisten Unfälle. Ein kleiner Teil der Jugendlichen verursacht die meisten Probleme. Der größte Teil des Verschleiß betrifft nur einen kleinen Teil von Teppichen. Nur wenige Kinofilme werden zu Blockbustern, die für den Großteil der Einnahmen verantwortlich sind. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

Einige Abschnitte lesen sich zäh, vor allem weil der Autor sehr ins Detail geht und Zahlen wirklich zu lieben scheint. Die Frage, ob der Autor nicht 80 % des Buches hätte weglassen und die restlichen 20 % als kompakten Ratgeber veröffentlichen können, kann da schon aufkommen. Im dritten Teil von „Das 80/20-Prinzip“ wird es allerdings spannend. Überschrieben ist er mit „Weniger arbeiten, mehr verdienen und Spaß haben“, was nicht so seriös klingt, wie es ist.

Richard Koch geht auf die befreiende Wirkung des 80/20-Prinzips ein, zeigt, worauf es beim Zeitmanagement ankommt, regt an, darüber nachzudenken, was man vom Leben erwartet, zeigt den Wert weniger, aber entscheidender Unterstützer bzw. Verbündeter für das eigene Leben auf, schreibt über Intelligenz und Faulheit, Geld und Glück. Die Seiten 179 bis 319 lesen sich sich gut, vielleicht sollte Richard Koch noch einen Ratgeber zum 80/20-Prinzip schreiben, bei dem er sich auf diesen Bereich konzentriert.

Ganz im Sinne des 80/20-Prinzips kann man einzelne Kapitel beim Lesen überspringen und dennoch sehr von diesem Buch profitieren. Andererseits schadet es bestimmt nicht, sich durch einzelne Kapitel hindurchzukämpfen, um mehr über dieses erstaunliche Lebensprinzip zu erfahren. Es gibt Bücher, deren Inhalt so nützlich ist, dass man für eine gewisse Zeit auf Spaß beim Lesen verzichten kann.

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Diese Kapitel sind nicht etwa schlecht geschrieben, doch für die meisten Menschen dürfte ihre Lektüre anstrengend sein. Proftieren von der Anwendung des 80/20-Prinzips können jedoch alle Menschen, und das nicht zu knapp.

Die Erstausgabe schrieb Richard Koch bereits 1996. „Das 80/20-Prinzip“ ist ein Bestseller und Klassiker, auf den zahlreiche Autoren Bezug genommen haben, das Pareto-Prinzip an sich wurde schon von unzähligen Autoren aufgegriffen, etwa im Bestseller „Die 4-Stunden-Woche“, „Besser organisieren – 99 wirksame Tipps für mehr Überblick im Büro“ und  „Dem Leben Richtung geben“.

Diese drei unterschiedlichen Beispiele zeigen einmal mehr, was für eine umfassende Gültigkeit das 80/20-Prinzip besitzt. Wer sich für Zeitmanagement und Vereinfachung interessiert, findet in dem im Campus Verlag erschienenen Buch von Richard Koch einen wertvollen Ratgeber.

Über Oliver Springer 349 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand, Selbstmanagement und Musik … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Urban Music Website rap2soul.de.

2 Kommentare

  1. Kein schlechtes Buch … ABER … interessant ist in diesem Zusammenhang, dass du ja als neue Rezension das Buch ‚The Long Tail‘ vorstellst – welches widerum in weiten Teilen das 80/20-Prinzip widerlegt oder zumindest aber in Frage stellt … Das Beste ist also, sich eine eigene Meinung zu bilden …

  2. Ich muss zugeben ich habe das Buch noch nicht zu Ende gelesen. Zu lange andauernde Strecken von Zahlen- und Faktenaufzählungen waren mein Verhängniss.
    Dazu kam noch das ich zeitlich zur Zeit sehr knapp gebunden bin und daher keine Zeit mehr finde weiterzumachen.

    Jedoch kann ich sagen das ich das 80/20 Prinzip jedoch für sehr ausgearbeitet halte und gut belegt(Leider ein bisschen zu ausführlich).

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