Der 23-Stunden-Tag

Was würdest Du mit zusätzlicher Zeit tun? Angenommen, Dein Tag hätte 25 statt 24 Stunden, wofür würdest Du Deine 25. Stunde nutzen? Wenn Du zuerst überlegst, was auf Deiner Aufgabenliste steht und welche unerledigten Arbeiten Du in der täglichen Bonusstunde erledigen könntest, wäre das nicht überraschend.

Würde uns diese 25. Stunde glücklicher machen, oder würden wir nur mehr Zeit zum Arbeiten haben?

Um Zeit für Dinge zu gewinnen, die wichtig für uns sind, zu denen wir aber – aus welchem Grund auch immer – nicht kommen, lohnt es sich, in die andere Richtung zu denken, denn eine 25. Stunde werden wir nicht bekommen. Umgekehrt lohnt es sich, den Tag versuchsweise mit 23 statt 24 Stunden zu planen, um die eingesparte Zeit gezielt für die wichtigsten Dinge in unserem Leben einzusetzen.

Was das Wichtigste im Leben ist, lassen wir an dieser Stelle außen vor. Um herauszufinden, was man im Leben eigentlich tun möchte, verweise ich stattdessen auf „Die 4-Stunden-Woche“ von Timothy Ferris, der in seinem Buch sehr gute Fragen zu diesem Thema stellt. Doch zurück von der „4-Stunden-Woche“ zu der einen Stunde!

Ob wir genau benennen können, was wir eigentlich im Leben wollen, was uns wichtig ist, womit wir unsere Zeit verbringen wollen, oder ob wir es noch nicht wissen, eines ist uns klar: Es gibt Dinge, Aufgaben, Aktivitäten, die wichtiger für uns sind als das, war wir tagtäglich tun.

Daraus folgt: Die Prioritätensetzung funktioniert noch nicht optimal. Es lohnt sich, in der Zeitplanung Zeit für dieses Wichtigste einzuplanen, anderenfalls wäre es kaum so wichtig. Wollen wir in den Spiegel schauen, um uns selbst zu sagen: Was ich heute vorhabe, ist zwar nicht so wichtig, aber ich beschäftige mich lieber mit den weniger wichtigen Dingen als mit dem Wichtigsten in meinem Leben – das würden wir nicht so sagen, oder?

Als völlig unaufwendige Sofort-Übung wäre das eine gute Möglichkeit, uns wachzurütteln. Abwegig ist es nicht, dass wir das Unwichtigere einfach lieber tun als das Wichtigste.

So zu tun, als ob der Tag nur 23 Stunden bieten würde, um alles das zu tun, was zu tun ist, auch die angenehmen Dinge, stellt eine Möglichkeit dar, zumindest eine Stunde pro Tag für das Wichtigste zu gewinnen.

Wäre es nicht besser, dieses Wichtigste als A-Aufgabe anzusehen und entsprechend in den Tagesplan zu setzen? Soweit es sich dabei um Arbeit im weitesten Sinne handelt, sollte man das versuchen, doch das Wichtigste ist nicht unbedingt eine Aufgabe aus dem Bereich Arbeit. Außerdem kann es sein, dass das Wichtigste zwar mit Arbeit, jedoch nicht mit dem aktuellen Job zu tun hat. Es gleich als erstes anzugehen, wenn man frisch und ausgeruht ist, wird daher nicht unbedingt möglich sein.

Hauptsache, wir kommen im Lauf des Tages überhaupt dazu, uns um das Wichtigste zu kümmern bzw. es zu genießen. Insofern lohnt sich der Versuch, die Zeit dafür aus der normal verplanbaren Zeit herauszunehmen, besonders wenn bzw. weil wir bisher nicht erfolgreich darin waren, das Wichtigste einzuplanen und stattfinden zu lassen. Deshalb der 23-Stunden-Tag.

Eine berechtigte Frage lautet: Wie soll ich mit einer Stunde weniger alles schaffen? Vielleicht gar nicht. Sofern die Möglichkeiten beim Zeitmanagement noch nicht ausgereizt sind, lässt sich durch Optimierung von Arbeitsabläufen, Delegieren oder Auslagern von Arbeiten etc. die benötigte Stunde gewinnen.

Noch besser wäre es, Unwichtiges aus dem Leben zu werfen, also weniger zu tun. Indem wir das Unwichtigste in unserem Leben identifizieren und es sein lassen, gewinnen wir die Zeit für das Wichtigste. Optimieren, Delegieren und Auslagern können wir im nächsten Schritt immer noch, doch wozu sollten wir etwa Abläufe für Aufgaben optimieren, die mehr oder weniger unwichtig sind?

Sobald wir wissen, was das Wichtigste in unserem Leben ist, fangen wir also an? Falsch! Selbst wenn es noch eine Weile dauern sollte, das Wichtigste zu erkennen, dürfte es uns leicht fallen, einiges aufzuzählen, was wir statt des Unwichtigsten tun möchten oder sollten – eben weil wir zumindest wissen, was uns wichtiger ist. Damit kommen wir auf jeden Fall einen Schritt weiter.

Über Oliver Springer 350 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand, Selbstmanagement und Musik … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Urban Music Website rap2soul.de.

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