Aufräumen: Ordnung muss sein

Aufräumen werden nur wenige Menschen zu ihren Lieblingsbeschäftigungen zählen. Da Ordnung zu schaffen selten absolut dringend ist, es immer wichtigere Aufgaben zu geben scheint, als den Schreibtisch aufzuräumen, die Ordner zu leeren, den Schrank neu zu organisieren, werden diese Aufräumarbeiten gerne aufgeschoben, am liebsten für immer.

Manche Menschen kommen an „für immer“ sehr nah heran. Die Anstrengung, die das Aufräumen kostet, muss nicht der ausschlaggebende Grund für das Aufschieben des Aufräumens sein.

Es kommt auch vor, dass Menschen – bewusst oder unbewusst – der Überzeugung sind, Aufräumen sei nicht produktiv. Wenn sie aufräumen, schaffen sie nichts. Schon gar nicht ihre wichtigen Aufgaben. Ich verstehe das, so ging es mir auch schon.

Hier ist eine Änderung der Einstellung zum Aufräumen angebracht, denn Unordnung entzieht uns Energie und lenkt unsere Gedanken ab. Zu direkten Problemen wie dem Umstand, dass man suchen muss oder sogar gar nicht findet, was man sucht und für seine Arbeit benötigt, kommt das schlechte Gewissen. Dieses Drücken, dass man eigentlich längst mal hätte aufräumen müssen, man es aber nicht getan hat und das falsch war. Und heute schafft man es wieder nicht. Das ist noch viel schlimmer.

Wer sich wirklich wohl fühlt mir seiner Unordnung und dabei sein Chaos herrscht, kann dabei bleiben. Man sollte jedoch ehrlich sein mit sich selbst und prüfen, ob man sich seine Unordnung nicht schönfärbt, um sich vor dem Aufräumen zu drücken.

Der richtige Zeitpunkt zum Aufräumen kommt selten, meistens wird man „echte“ Aufgaben zurückstellen müssen, um erst einmal Ordnung zu schaffen. Das passt nie gut – außer, man reserviert sich für ein gründliches Aufräumen einen halben, besser einen ganzen Tag, den man von anderen Verpflichtungen frei hält.

Diese anderen Aufgaben, die für sich genommen möglicherweise weit wichtiger sind, muss man möglichst vorher auf andere Tage verteilen, um am Tag des Aufräumens tatsächlich ungestört aufräumen zu können. Ist es werktags nicht möglich, diese Zeit zu reservieren, lohnt es, einen Samstagvormittag dafür zu verwenden, denn immerhin kann man sich am Rest des Wochenendes für das Durchringen zum Aufräumen belohnen und gerät nicht in einen Arbeitsrückstand.

Aufräumen auf Kosten der Erholungszeit? Ja, das ist ausnahmsweise ein guter Grund, Freizeit zu opfern, denn das Aufräumen bzw. das Etablieren eines Ordnungssystems vereinfacht anschließend unsere Arbeit, lässt uns produktiver und konzentrierter und mit weniger Stress arbeiten.

Zuletzt nehmen wir damit eine Last von unseren Schultern, was unser Wohlbefinden schon steigert, während wir noch mitten im Aufräumen drin stecken. Am Samstagvormittag werden wir beim Aufräumen auch weniger gestört, was bedeutet: weniger Ablenkung, weniger Fluchtmöglichkeiten => schneller fertig.

Muss es gleich eine große Aufräumaktion werden? Nebenbei immer mal etwas wegzuräumen, einzusortieren und zu säubern, ist sehr zu empfehlen. Ein Ordnungssystem zu schaffen, um überhaupt erst einmal festzulegen, wo die einzelnen Dinge ihren Platz haben, ist nichts für eine kurze Spontanaktion zwischen zwei anderen Aufgaben.

Ordnung halten und Ordnung schaffen sind zwei verschiedene Aufgaben. Die Ordnung zu bewahren, ist eine tägliche Aufgabe, die jeweils nur sehr wenig Zeit in Anspruch nimmt. Hier ist Disziplin wichtig, um die kleinen Schritte täglich zu tun.

Ordnung zu schaffen hat mit Planung zu tun, denn oft liegt es an einem schlechten Ordnungssystem, wenn man Sachen liegen lässt, anstatt sie an den richtigen Ort zu legen – sei es ein Regal, ein Ordner aus Pappe oder ein Ordner in einem Dateisystem des Computers. Was eindeutig an einen bestimmten Platz gehört, wird seinen ihm zugewiesenen Platz mit weit höherer Wahrscheinlichkeit erreichen als etwas, bei dem man nicht so genau weiß, wohin es gehört.

Zeit, die man sich beim Einrichten des Ordnungssystems nicht nimmt, gewinnt man nicht auf Dauer; man nimmt eher einen Kredit auf, der mit Zinsen zurückzuzahlen ist. Mit einem Mal richtig Ordnung zu schaffen, wird eindeutige Ergebnisse bringen und die Vorstellung davon, welcher Zustand gewahrt werden soll. Beim ersten Mal ist das Aufräumen als Hauptaufgabe des Tages eine gute Lösung.

Später sind hingegen kleinere Zeiten, die für das Aufräumen reserviert werden, besser, denn es kommt darauf an, gar nicht erst Chaos entstehen zu lassen. Das Aufräumen aufzuschieben bis zu einem großen Aufräumtermin fördert das Entstehen von Unordnung. Der bevorstehende Aufräumtermin wird so leicht zum Vorwand, eine Sache nicht sofort wegzuräumen, weil man das ja machen könne, wenn man sowieso gründlich aufräumt. Und wer weiß, wann dieser große Tag des Aufräumens kommt…

Über Oliver Springer 351 Artikel

Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand, Selbstmanagement und Musik …

Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Urban Music Website rap2soul.de.

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