Aufgaben nicht beenden: manchmal die beste Entscheidung

Was man anfängt, sollte man auch zu Ende bringen. So habe ich das gelernt, doch inzwischen weiß ich, dass diese Regel falsch ist. Durchhaltevermögen, Ausdauer und Disziplin sind wichtige Erfolgsfaktoren, doch Projekte abbrechen, Aufgaben vorzeitig beenden zu können, ist für unseren „Gesamterfolg“ ebenfalls von Bedeutung.

Zu Beginn eines Projekts können wir unmöglich alle möglichen Entwicklungen vorhersehen, auch eine sorgfältige Prüfung bewahrt uns nicht mit Sicherheit davor, einen falschen Weg einzuschlagen. Manche Entwicklungen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft lassen sich vorhersehen, andere nicht. Und dann sind da noch die ganzen Entwicklungen in unserem Privatleben!

Entscheidungen, die zu einem früheren Zeitpunkt, der oft viele Jahre zurückliegt, richtig für uns waren, können für uns dennoch bedeuten, dass wir heute auf dem falschen Weg sind. Wir verändern uns jeden Tag ein bisschen. Heute müssen wir den Weg gehen, der heute für uns richtig ist, nicht den, der für die Person richtig war, die wir damals waren. Was uns damals wichtig war, ist es heute möglicherweise nicht mehr.

Haben wir schon viel Zeit, Geld oder Mühe in ein Projekt investiert, fällt es uns schwerer, uns davon zu lösen, die Sache aufzugeben. Das ist nicht schlecht, denn dabeizubleiben, durchzuhalten ist oft das, was den Unterschied zwischen Erfolg und Niederlage ausmacht. Die Gefahr ist, weiterzumachen, weil (!) wir schon so viel investiert haben.

Das ist ein schlechter Grund. Entscheidend sollte sein, ob wir unser Ziel noch erreichen können und wollen und ob der dafür nötige Aufwand, der vor (!) uns liegt, gerechtfertigt ist.

Bei der Aufstellung unserer Tagespläne jedes unserer Ziele zu hinterfragen, würde uns handlungsunfähig machen. Große Ziele gehören bei der Jahresplanung auf den Prüfstand. Alles, was wir aus dem alten Jahr in das neue mitnehmen, braucht eine Legitimation für seine Übertragung in den neuen Jahresplan bzw. den Verbleib in Plänen für noch längere Zeiträume.

Haben wir Anlass dazu, ist es angebracht, unsere Ziele schon vorher zu hinterfragen. Aber nicht übertreiben! Ständiges Grübeln schwächt uns, denn grundsätzlich ist es an den meisten Tagen am besten, Dinge zu tun, weil sie im Plan stehen.

Hinterfragen wir unsere Ziele daher selten, gehen dann aber mit Entschlossenheit vor: Erlauben wir uns nicht, weiterzumachen, weil wir die Konsequenzen unserer Entscheidung zur Aufgabe eines Projekts fürchten!

Etwas aufzugeben, kann unangenehme Folgen haben. Besonders im beruflichen Bereich können mögliche Folgen wie Einkommensverlust, Aufgabe von Sicherheit, Unverständnis seitens Kollegen, Freunden und Familienmitgliedern einen enormen Druck bedeuten. Ungeachtet von Verantwortung, die wir für andere tragen, leben wir stets unser eigenes Leben, nicht das der anderen.

Die Konsequenzen sollten bedacht werden, nicht ignoriert. Zum Bedenken gehört auch die richtige Gewichtung. Oft sind die negativen Folgen, die realistischer Weise eintreten werden, bei näherer Betrachtung hinnehmbar.

Bei den meisten Dingen, die es sich aufzugeben lohnt, stehen wir uns vor allem selbst im Weg, sind die negativen Konsequenzen von geringem Gewicht.

Das Weiterverfolgen alter Träume, die uns nicht mehr begeistern, steht uns bei der Verwirklichung unserer neueren, aktuelleren Träume im Weg. Mit dem Aufgeben alter Pläne, Aufgaben und Träume verschaffen wir uns neue Handlungsspielräume. Werfen wir Ballast ab, fühlt sich unser Leben leichter und besser an.

Über Oliver Springer 349 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand, Selbstmanagement und Musik … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Urban Music Website rap2soul.de.

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