Stress durch Bücher: richtiges Verhalten im Buchladen

Stress durch zu viele Informationen wartet inzwischen an zahlreichen Stellen im modernen Leben. Letzten Samstag war ich in einem meiner Lieblingsbuchläden. Ich mag Buchläden, die besonders groß sind und so für meine Interessen eine gewisse Auswahl bieten, also nicht nur ein paar Bestseller, sondern auch etwas zum Entdecken.

Das Problem dabei ist jedoch, dass ich wieder mindestens ein halbes Dutzend Bücher entdeckt habe, die ich sehr gerne lesen würde. Ich habe mich dort wieder gefühlt wie früher als Kind in der Spielwarenabteilung: So viele Sachen und ich möchte am liebsten so viel mitnehmen, wie ich tragen kann.

Ich bin ehrlich gesagt nicht sicher, ob Kinder ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie mehr Spielzeug im Schrank haben, als sie nutzen können. Bei Büchern kennen wir bestimmt alle das schlechte Gefühl, wenn unser Blick auf die Bücher fällt, die wir alle noch nicht gelesen haben. Immerhin hat man manchmal selbst den Eindruck, schlau zu sein, wenn man auf die Reihen mit den gelesen Büchern schaut.

Ein Zuviel an gelesenen Büchern ist meiner Erfahrung nach nur ein Platzproblem, aber keine seelische Belastung wie bei vielen anderen Dingen, von denen man zu viel gesammelt hat. Ungelesene Fachbücher jedoch drücken besonders auf unser Gewissen. Ungelesene Bücher, die wir zur Erholung lesen wollten und sich ansammeln, geben Zeugnis davon, wie wenig Zeit für Spaß uns bleibt. Diese Einsicht entspannt uns nicht.

Meine Lösung, die ich empfehlen möchte, lautet: Stets nur ein Buch kaufen, auch wenn der Weg zur Buchhandlung weit ist und wir die anderen Bücher ja sowieso kaufen würden. Würden wir wirklich?

Zusätzlich zu einem Buch über Zeitmanagement noch ein Wörterbuch zu erwerben, ist selbstverständlich in Ordnung. Nachschlagewerke „on top“ sind okay, doch bei der Kombination von Roman und Fachbuch heißt es, sehr kritisch zu sein. Zählt das Fachbuch zur Plichtlektüre, die wir in kurzer Zeit durcharbeiten „müssen“, sollten wir uns fragen, ob wir zum Ausgleich in der Freizeit wirklich noch lesen wollen.

Wir sollten unbedingt vermeiden, Stapel ungelesener Bücher entstehen zu lassen. Meine Erfahrung ist: Ich lese insgesamt mehr Seiten, wenn ich bei einem Buch jeden Tag (eventuell sogar mehrmals) zugreife und es in kurzer Zeit auslese als wenn ich verschiedene Bücher anfange und mal in dem einen und mal in einem anderen lese. Abwechslung wirkt hier selten motivierend.

Was ist zu raten, wenn noch so ein ganzer Stapel ungelesener Bücher vorhanden ist? Keine neuen Bücher mehr kaufen, bis alle ausgelesen sind? Hier sind Entscheidungen gefragt! Vielleicht haben wir ein Buch nicht gelesen, weil wir kein Interesse mehr daran haben. Oder es war ein Geschenk und wir hätten es uns selbst nie gekauft. Dann sollten wir lieber früher als später eine Entscheidung dazu treffen, ob wir in absehbarer Zeit dieses Buch beginnen bzw. weiter darin lesen möchten.

Keine Gewissensbisse sollten wir haben, wenn wir nach einer Weile feststellen, dass ein Buch uns keine Freude bereitet oder Wissen schlecht vermittelt wird und wir deshalb nicht mehr darin lesen möchten. Lassen wir es sein! Viele Menschen fühlen sich fast gezwungen, ein Buch, das sie angefangen haben, auslesen zu müssen. Weg mit diesem Ballast! Unsere Lebenszeit ist zu kostbar für schlechte Bücher, in dieser Zeit könnten wir auch gute Bücher lesen. Fragen wir uns deshalb ausdrücklich, ob wir dieses Buch weiterlesen möchten.

Ist dies nicht der Fall, verschenken wir es am besten – wenn wir keine Freunde oder Bekannten kennen, die etwas damit anfangen könnten, können wir es spenden. Wer sich nicht zur endgültigen Weggabe entscheiden kann, sollte die betreffenden Bücher zumindest aus seinem täglichen Blickfeld verbannen, etwa in eine Kiste für den Keller oder den Dachboden. Die Entscheidung für Keller oder Dachboden fällt vielen leichter und ist im Ergebnis besser, als weiter jeden Tag die ungelesenen Bücher vor sich zu haben.

Kurz zurück noch einmal in den Buchladen: Die Regel, jeweils nur ein Buch zu kaufen, kann auch motivieren, das Buch, wofür wir uns entschieden haben, zügig durchzulesen, denn wir freuen uns schon auf das nächste. Das dürfen wir uns dann zur Belohnung holen. Diesen Belohnungsfaktor nutzen wir mal lieber!

Uns für ein einziges Buch im Laden zu entscheiden, hilft uns, Klarheit über unsere Prioritäten, Wünsche und Interessen zu gewinnen. In diesem einen Buch mit der höchsten Priorität beginnen wir, sofern wir alleine unterwegs sind, vermutlich noch auf dem Nachhauseweg in Bus oder Bahn zu lesen. Diesen Anfangsschub können wir nicht auf mehrere Bücher aufteilen.

Neulich im Buchladen fiel mir die Entscheidung zwar nicht leicht, doch ich bin froh, mich nicht darum gedrückt zu haben.

Über Oliver Springer 349 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand, Selbstmanagement und Musik … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Urban Music Website rap2soul.de.

7 Kommentare

  1. Sehr interessanter Beitrag.

    Das Problem kenne ich nur zu gut, meistens aus der Bibliothek. Da kommt man mit 10-20 Büchern nach Hause nur um sie auf den Stapel zu legen, den man letztes mal geholt hat. Ich mache es entweder so, dass ich einen Lesemarathon einlege und einige Tage oder Wochen so viel wie möglich lese, oder ich lese nur das, was wirklich notwendig ist. Das Meiste wird kurz überflogen und kommt zurück in die Bibliothek. Die Schlepperei ist wenigstens gut für die Fitness 🙂

  2. An die Bücherei hatte ich gar nicht gedacht, als ich den Artikel geschrieben hatte. Da ist die Gefahr, zu viele Bücher mitzunehmen, noch viel größer.

    Immerhin muss man sie aber auch nach Fristablauf zurückgeben, dann können sie sich nicht so schlimm stapeln. Eingebaute Sicherung sozusagen! 🙂

    Wenn es Bücher zum Nachschlagen und Arbeiten für eine Hausarbeit oder ein Projekt sind, kann es durchaus von Vorteil sein, aus einer Sammlung im eigenen Regal wählen zu können.

    Schlepperei: Stimm auch noch!

  3. Das regt ja einen leichten Widerstand in mir. Ich bin schön häufiger mit vielen Büchern aus einem Buchladen gekommen. Die werden dann erstmal nicht gelesen, sondern landen auf dem Haufen neben dem Bett und von dort in eins der Buchregale. Meine Erfahrung (bin 45) ist, dass Bücher die gelesen werden wollen, den Weg zu mir finden – als Beispiel: habe mir im Jahr 1995 bei 2001 zwei Jörg Fauser-Bände bestellt und diese erst vor ein paar Wochen mit viel, viel Vergnügen gelesen. Bis dahin habe ich sie immer angeguckt und gedacht: die will ich auch irgendwann mal lesen.
    Mir hilft es auch nicht, mir im Buchladen die Entscheidung abzuringen mich auf ein Buch festzulegen. Vernunft hin oder her – gehe auch oft ohne Kauf wieder raus.
    Mit dieser „meinen“ Methode hatte ich relativ wenig Fehlkäufe – habe dann auch kein Problem sie zu verschenken oder einfach in das Altpapier zu geben.
    Analog dazu ist es als begeisterter Musikhörer…
    Zusammenfassend habe ich ein kleines Problem damit, mir bei meinem Vergnügen und meinem kulturellem Bedürfnis Regeln aufzustellen – komme auch so zurecht und die Bücher auch.

  4. Für den Kauf von Musik würde ich eine solche Regel nicht aufstellen. Die Spieldauer eines Albums ist auch wesentlich geringer als die für das Lesen eines Buches benötige Zeit. Man kauft selten mehr als man einen Tag hören kann.

    Wie sehr uns ein Haufen ungelesener Bücher belastet, hängt selbstverständlich von unserer individuellen Persönlichkeit ab.

    Wenn Du viele Bücher liest und zudem genug Zeit dafür hast, ist ein zweites Buch auf dem Stapel auch weniger bedrohlich.

    Bücher, die man zum reinen Vergnügen liest, stellen auf einem Stapel liegend weniger eine Belastung dar als solche, die man „lesen muss“, weil man mehr wissen möchte / muss.

    Wenn Du Dich rundum wohlfühlst, möchte ich Dir nichts anderes einreden.

  5. >> Bei Büchern kennen wir bestimmt alle das schlechte Gefühl, wenn unser Blick auf die Bücher fällt, die wir alle noch nicht gelesen haben.

    Das ist richtig.

    Ich muss zugeben, dass ich bis vpr kurzem ein eher ablehnendes Verhältnis zu Büchern hatte. Wahrscheinlich, weil meine Schulzeit noch nicht so lange vorbei ist, und Bücher früher immer lernen bedeuteten. Aber in letzter Zeit bin ich irgendwie richtig zu Büchern gekommen. Ich habe bei eBay ein interessantes Buch gefunden, habs mir gekauft, und jetzt lese ich teilweise 100 Seiten am Tag. Das ist für mich im vergleich zu meinem früheren Buchumgang eine Drehung um 360°! Und obwohl ich erst vor kurzem so richtig angefangen hab zu lesen, habe ich jetzt schon einige Bücher auf Seite gelegt. Da hat man schon ein schlechtes Gewissen. Denn man will alles lesen, hat aber meist nicht viel Zeit dazu usw…

  6. Danke für Deinen Kommentar, Hans!

    100 Seiten pro Tag, das sind viele! 🙂 Da passt für Dich vielleicht der Artikel, den ich heute gepostet habe. Dabei geht es darum, dass es auf die Menge nicht ankommt und wir uns lieber mehr Zeit für das Gelesene nehmen sollten.

    Ein schlechtes Gewissen solltest Du nicht entwickeln, wenn Du ein Buch zur Seite legst. Vielleicht stellst Du später auch fest, dass es nicht mehr so wichtig / reizvoll erscheint, das Buch tatsächlich zu lesen. Dann lass es und lies etwas anderes!

    Bloß nicht deshalb lesen, weil (!) Du es gekauft hast! 😉

  7. Ja gut, dass Buch, was ich unbedingt noch lesen wollte, war zwar ein kostenloses eBook, aber trotzdem hab ich da ein komisches Gefühl, da ich es eben unbedingt lesen will, aber keine Zeit habe. Momentan bin ich noch mit meinem (analogen) Buch beschäftigt. Ich hoffe, dass ich danach zu den anderen Büchern komme 🙂

    Und danke für den Tipp mit dem neuen Artikel, den werde ich mir gleich mal anschauen 😉

    Gruß Hans

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