Next Friday (Filmkritik)

Albern und vorhersehbar, ja das ist „Next Friday“ wirklich. Auch sonst habe ich selten so böse Kommentare über einen Film gehört. So mancher Kinobesucher oder DVD-Käufer hat mit diesem Streifen anscheinend ganz schlimme anderthalb Stunden verbracht.

Ich selbst bin allerdings voll auf meine Kosten gekommen, kann „Next Friday“ wärmstens empfehlen – mit einer dicken Einschränkung: Nur mit der richtigen Einstellung macht so ein Film Spaß.

Der zweite Teil der Reihe setzt inhaltlich dort an, wo „Friday“ aufhört: Vier Jahre nachdem Craig (Ice Cube) den Schläger im Ghetto (Tommy Lister Jr.) verprügelt und hinter Gitter gebracht hatte, kann dieser aus dem Knast fliehen und will sich an Craig rächen. Aus Sorge um seinen Jungen bringt Craig’s Vater (John Witherspon) ihn zu Onkel Elroy (Don Curry), der Dank eines Lottogewinns mit seiner Familie inzwischen in einem noblen Vorort wohnt. So trifft Craig auch wieder auf Day-Day (Mike Epps), den Sohn von Elroy.

Damit hat Ice Cube, der das Drehbuch selbst geschrieben hat, einen plausiblen Grund gefunden, das Ghetto durch einen völlig anderen Schauplatz auszutauschen. Zwischen den imposanten Häusern und teuren Autos wirken die Charaktere umso durchgeknallter. Dazu zählen auch die Latino-Gangster von nebenan, in deren Schwester sich Craig verliebt. Natürlich kommt auch Debo irgendwann dahinter, wo er nach Craig zu suchen hat. Zusammen mit einer ganzen Reihe von weiteren kleineren Problemen bringt das alles Craig in eine echt üble Lage.

Den Trottel, der in einen Sog von Ereignissen gerät und die ganze Zeit durch die Handlung zu treiben scheint und nur deshalb cool bleibt, weil er oft noch gar nicht gemerkt hat, in welchem Schlamassel er steckt, gibt er so gut, dass ich mich manches Mal gefragt habe, ob er entweder überhaupt nichts von Schauspielerei versteht oder ein Genie ist. Ist für den Filmspass aber letztlich egal!

Sogar die schärfsten Kritiker des Films loben meistens den Soundtrack, der Songs von N. W. A., Ja Rule, Toni Estes, Pharoahe Monch, Bizzy Bone, Aaliyah, Wyclef Jean, dem Wu-Tang Clan, Lil Wayne, Krayzie Bone, Don Cisco, den Isley Brothers, Eminem, Lil Zane und natürlich Ice Cube bringt.

Fazit: „Next Friday“ von und mit Ice Cube ist ein respekloser Film, der nicht nur die Grenzen des so genannten guten Geschmacks wie ein Panzer überrollt, sondern auch das in Frage stellt, was landläufig als Hip Hop-Kultur bekannt ist. Unbedingt an einem Freitag anschauen!

Über Oliver Springer 375 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand, Selbstmanagement und Musik … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Urban Music Website rap2soul.de.

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