Manchild Staffel 1 (Rezension)

Comedy auf höchstem Niveau! In der britischen Serie „Manchild“ geht es um vier Männer, die etwas über 50 sind und jetzt die besten Jahre ihres Lebens in vollen Zügen genießen. So interpretiert es jedenfalls Terry (Nigel Havers), einer der vier, der durch die ganze Serie als Erzähler führt. Brillant deutet er die Ereignisse so um, dass er und seine Jungs sich stets als Gewinner fühlen können.

Alle vier haben im Beruf viel erreicht und sind mit materiellen Gütern sehr gut versorgt. Bis auf Gary (Ray Burdis), der die anderen um ihre Freiheit beneidet und seine eigene Schönfärberei betreibt, sind alle Single. Terry und James (Anthony Stewart Head) vergnügen sich mit Frauen, die gerade halb so alt wie sind wie sie selbst, während Patrick (Don Warrington) vor allem an Kunst interessiert ist und dafür kein finanzielles Limit zu haben scheint.

Als Zuschauer erkennt man schnell, dass die „späten Jungs“ mit ihrem genussfixierten Luxusleben nur an den Symptomen ihrer Midlife-Crisis herumdoktern – auf charmante, liebenswürdige Weise verhalten sie sich eigentlich wie kleine, unreife Jungs, die man leicht ins Herz schließt- Und ein Stück weit um ihre Möglichkeiten bewundert.

Wenn Terry immer wieder betont, wie glücklich er durch seine Scheidung geworden ist, unterstreicht er für den Zuschauer gleichzeitig die innere Leere, die seine Trennung hinterlassen hat. Fotomodelle, mit denen er keine Unterhaltung führen kann, weil sie mental einfach nicht seiner Welt leben, vermögen diese Lücke nicht zu füllen. Eines Tages spannt ihm sein Sohn auch noch die aktuelle Freundin aus, doch anstatt ihm gegenüber, der ihn auch sonst ausnutzt, eine Grenze zu ziehen, macht er gute Miene zum bösen Spiel, indem er so tut, als ob ihn das gar nicht treffen würde. Bei Szenen wie diesen laufen die Schauspieler zur Hochform auf.

Auf der anderen Seite meistern sie manche Schwierigkeiten auf beeindruckende Weise, so zum Beispiel die Krankheit von Patricks Mutter. Ohne zuviel verraten zu wollen: Hier zeigt sich, dass eine Comedy-Serie nicht bloß Schenkelklopfer liefern kann.

Die vier Freunde – und um Freundschaft dreht sich die Serie letztlich mehr als um Frauen – mögen sich noch so lächerlich verhalten bei ihrem Versuch, gegen das Älterwerden anzukämpfen, doch sie erleben zusammen eine gute Zeit und kommen auf ihre eigene Art zurecht. So gesehen macht „Manchild – Späte Jungs“ geradezu Lust aufs Leben ab 50.

Über Oliver Springer 353 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand, Selbstmanagement und Musik … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Urban Music Website rap2soul.de.

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