Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will (Rezension)

Ein gutes, ein erfülltes Leben führen, das wollen wir alle. Wenn es allerdings darum geht, genau zu beschreiben, was wir darunter verstehen, müssen viele von uns passen.

Denken wir darüber nicht gründlich genug nach, leben wir letztlich ein Leben, das nicht optimal zu uns passt und uns deshalb auch nicht erfüllt. Sich bei dieser Schlüsselfrage nicht mit vorschnellen Antworten zufrieden zu geben ist wichtig, um herauszufinden, wessen Erwartungen wir dabei eigentlich entsprechen wollen.

Eltern, Lehrer und andere wichtige Personen aus unserer Vergangenheit und unserer Gegenwart haben einen großen Einfluss auf unsere Persönlichkeit und unser Denken, das ist ganz natürlich. Doch irgendwann sollte man überprüfen, ob die „Du-solltest-Botschaften“, wie die Autorinnen sie nennen, gut für einen sind. Sonst kann es zwar passieren, dass man etwa im Beruf sehr erfolgreich ist, obwohl man diesen Beruf nicht liebt.

Überhaupt ermahnen Barbara Sher und Barbara Smith dazu, das zu tun, was man liebt, auch wenn man damit zunächst ein Stück Sicherheit aufgibt. Die eigenen Gefühle – wie sie zustande kommen und wie man damit umgeht – sind eines der Hauptthemen des Buches, was für einen Ratgeber, bei dem es letztlich um die berufliche Selbstverwirklichung geht, sehr ungewöhnlich ist.

Gerade das macht „Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will“ zu einer Bereicherung im überfüllten Markt für Job- und Karriereliteratur. Allerdings ist der persönliche, sehr gut lesbare Stil, sicher für manchen – insbesondere männlichen – Leser gewöhnungsbedürftig wenn nicht sogar abschreckend.

Mir als Mann ging es mit diesem Buch wie mit beim Lesen in einer der typischen Frauenzeitschriften: Ich hatte das Gefühl, dass dort Frauen speziell mit Frauen kommunizieren und ich in dieser Welt nur zu Gast, aber nicht zuhause sei. Das soll aber nicht heißen, dass Männer hier nichts lernen könnten – nicht zuletzt über Frauen!

Negativ aufgefallen ist mir ein zu starker Fokus auf die Probleme. Der Warnung vor zu einfachen Lösungen schließe ich mich zwar an – auch mangelt es nicht an Übungen, um aktiv zu werden – dennoch hege ich die Befürchtung, dass so mancher Leser am Ende der Lektüre zunächst das Gefühl hat, dass sein Leben wohl noch weit komplizierter sei, als er es vorher erlebt hatte. Wer Orientierung sucht, möchte keine komplizierten Wege gezeigt bekommen – und herausfinden, was er sonst noch für Probleme hat, sondern Vereinfachung.

FAZIT: „Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will“ kann neue Einsichten in das eigene Leben geben und dazu beitragen, sich besser zu verstehen. Es kann einen Beitrag dazu leisten, sich darüber klar zu werden, wohin die Lebensreise gehen soll. Als „das“ Buch, mit dem man Schritt für Schritt Ziele erarbeitet und sein Leben dann auf den entsprechenden Kurs bringt, empfehle ich es aber nicht. „Ich könnte alles tun, wenn ich nur wüsste, was ich will“ ist dafür zu wenig eine „Anleitung“. Seine Stärken liegen mehr darin, zu verstehen, warum wir dort stehen, wo wir heute stehen als darin, zu erkennen, wohin wir wollen und wie wir dorthin gelangen.

Über Oliver Springer 350 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand, Selbstmanagement und Musik … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Urban Music Website rap2soul.de.

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