Umgangsformen – Ein moderner Knigge (Rezension)

Ein nützliches, hilfreiches Buch! Allerdings möchte ich deutlich sagen, dass die so genannten guten Umgangsformen ein Bereich sind, dem sich zu nähern, mich einige Überwindung kostet. Zwar hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr vieles vereinfacht, ist der Umgang miteinander einfacher und unverkrampfter geworden, aber wenn der Begriff „rückwärtsgewandt“ auf ein Thema zutrifft, dann mit Sicherheit auf dieses.

Das ist freilich nicht die Schuld der Autorin. Inge Wolff versteht es vielmehr, geschickt einen Mittelweg bei ihren Empfehlungen zu geben, die einen guten Kompromiss zwischen den Bedürfnissen und Erwartungen der verschiedenen Menschen in unserer Gesellschaft darstellen. Einen guten Kompromiss erkennt man schließlich daran, wie ein Sprichwort sagt, dass niemand wirklich damit zufrieden ist.

Die größten dieser Unterschiede liegen wohl zwischen den Generationen: Ob jemand 18 oder 88 Jahre zählt, ist faktisch eben nicht egal hinsichtlich der Umgangsformen, mit denen er sich wohl fühlt. Ist das Ziel – und dem scheint sich die Autorin mit Nachdruck verschrieben zu haben – dass alle möglichst reibungslos miteinander zurecht kommen, bedeutet das zwangsläufig, dass Empfehlungen für den gesellschaftlichen Umgang nicht wirklich modern sein können.

Von diesem Verständnishorizont aus gibt sich die Autorin dann doch sehr fortschrittlich: So steht sie etwa der Kommunikation via Fax, E-Mail und Handy positiv gegenüber und gibt sinnvolle Richtlinien für den Umgang mit ihnen.

Das Grundprinzip aller empfohlenen Umgangsformen in diesem Ratgeber lautet Rücksichtnahme, nicht Tradition. Auch wird immer wieder hervorgehoben, dass im Zweifel immer der Einzelfall und die Absprache zwischen den Beteiligten ausschlaggebend sein sollten, was, wie ich finde, ein guter Rat ist. Für unsere in multikulturelle Gesellschaft, in der nicht nur Menschen mit ganz unterschiedlichem ethnischen Background zusammen leben, sondern in der es vor allem so viele lebendige Subkulturen wie zum Beispiel Hip Hop gibt, lassen sich keine Regeln mehr aufstellen, die für jeden und in jeder Situation passen.

FAZIT: Wer eine Gangsta Rap Party organisiert, wird den Abschnitt über „Tischkärtchen“ (zur Platzierung der Gäste) wohl nicht benötigen. Doch aus meiner Berufspraxis weiß ich, dass auch DJs, wenn sie in einer weiter entfernten Stadt auflegen, durchaus in einem Vier-Sterne-Hotel wohnen. Wie weit man sich dann an die Umgebung anpasst, ist eine andere Frage, doch es ist auf jeden Fall hilfreich zu wissen, wie die Spielregeln dort lauten.

Über Oliver Springer 379 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand, Selbstmanagement und Musik … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Urban Music Website rap2soul.de.

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