Wer aus der Reihe tanzt, lebt intensiver (Rezension)

Das Lexikon definiert den Skandal als ein großes, Aufsehen erregendes Ärgernis. So negativ sieht es Allan Guggenbühl, Autor des Buches „Wer aus der Reihe tanzt, lebt intensiver“ nicht. Im Gegenteil! Aber das liegt in erster Linie an der Perspektive, die bei ihm nicht die der Gesellschaft oder Gruppe, die die Regeln aufstellt ist, sondern das Individuum.

Den Skandal sieht er vor allem als Chance, aus einem fremdbestimmten Verhaltensmuster auszubrechen, die eigene Meinung und Freiheit über das Urteil anderer zu stellen. überzeugend erläutert Allen Guggenbühl, wie man einen Skandal auch zum Teil unbewußt genau plant und inszeniert, um sich selbst eine bestimmte, gewollte Änderung in seinem Leben nahezu aufzuzwingen, weil man etwa ansonsten gar nicht den Mut aufbringen würde.

„Wer aus der Reihe tanzt, lebt intensiver“ ist kein Ratgeber im klassischen Sinne, sondern eher eine knapp 200 Seiten fassende populärwissenschaftliche Analyse des Phänomens an sich. Andererseits – und so erklärt sich auch der Untertitel „Mut zum persönlichen Skandal“ – plädiert der Autor ganz klar für den Skandal bzw. dazu, sich zu skandalieren, wie er sich ausdrückt.

Nicht, daß er direkt dazu aufrufen würde, sich in Widerspruch zu den Menschen in der eigenen Familie, seinen Kollegen und Freunden zu setzen. Vielmehr beschreibt er unter Zuhilfenahme unzähliger lebendig geschilderter Beispiele die Notwendigkeit des Skandals in der betreffenden Situation.

Damit kann das Buch nicht nur Mut machen, auch mal die Erwartungen unserer Mitmenschen zu enttäuschen, um selbstbestimmter leben zu können. Durch die fundierte psychologische Betrachtung bekommt man neue Einsichten und ein Verständnis für die Zusammenhänge in solchen Lebenssituationen. Das hilft, Fehler zu vermeiden, denn Sinn des Skandals ist ja nicht, möglichst viele Menschen vor den Kopf zu stoßen, sondern die eigenen Vorstellungen, wie man leben möchte, auch umsetzen zu können. Wer weiß, wie ein Skandal sozusagen „funktioniert“, kann Widerstände verringern und schon im Vorfeld Schadensbegrenzung betreiben.

Wer keine konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitung sucht, sondern ein gewisses psychologisches und gesellschaftspolitisches Interesse mitbringt, wird durch „Wer aus der Reihe tanzt, lebt intensiver“ Denkanstöße bekommen, die zu neuen Einsichten und – ein wenig eigenen Mut vorausgesetzt – mehr gelebter Freiheit führen.

Über Oliver Springer 349 Artikel
Seit 2008 bin ich im Hauptberuf Blogger und schreibe für eigene Projekte und im Auftrag zu einer Reihe von Themen, darunter Kaffee, Internet, Mobilfunk, Festnetz, Video-on-Demand, Selbstmanagement und Musik … Zuvor hatte ich 14 Jahre lang als Moderator und Redakteur für den Radiosender JAM FM gearbeitet, wo ich später auch den Internetauftritt betreute. Mit einem meiner Radiokollegen gründete ich bereits 2002 die Urban Music Website rap2soul.de.

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